Orthodoxie/Orientalisches Christentum

Das Interesse an der Orthodoxie ist bei mir durch einen dreimonatigen Besuch Ägyptens im Jahr 1982 geweckt worden. Koptische Studenten, die ich damals kennenlernte, erzählten mir so begeistert von ihrer Kirche, ihren Kirchenvätern und Heiligen, ihren Aktivitäten für Kinder und Jugendliche und führten mich in Klöster, das Patriarchat und ihr Kirchenleben ein, dass ich mir vornahm, nochmals längere Zeit nach Ägypten zu gehen, um diese Kirche näher kennenzulernen, die offensichtlich eine grundlegende Erneuerung erfahren hatte. Die folgenden Jahre nutzte ich, um diesen zweiten Aufenthalt vorzubereiten. Ich erweiterte meine Arabischkenntnisse und sammelte Literatur zu den Kopten. Der zweite Aufenthalt konnte 1988-1989 im Rahmen eines Spezialvikariats realisiert werden. In zahl reichen Begegnungen mit Führungspersönlichkeiten der Koptisch-Orthodoxen Kirche in diesem Studienjahr zeichnete ich die Geschichte der Erneuerung in Interviews auf und sammelte Literatur zu diesem Thema. Diese Studien mündeten 1996 in die Anfertigung einer Dissertation.

Durch die Leitung des Studienkollegs für orthodoxe Stipendiaten der EKD in den Jahren 1990-1996 wurde die Perspektive auf die Gesamtheit der orthodoxen Kirchen ausgeweitet. Die Gründung und Leitung des Arbeitskreises Orthodoxie Kirchen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau von 1992-2001 bot die Möglichkeit, die Kontakte zur Orthodoxie auch in Deutschland zu verorten. Seit 1999 engagiere ich mich in einem Kreis, der ein Studienjahr an der Near East School of Theology in Beirut initiierte. Er soll Studenten der Theologie und der Religionspädagogik ermöglichen, sich intensiver mit den nahöstlichen Christen auseinanderzusetzen.

Anknüpfend an diesen frühen Kontakten mit orientalisch-orthodoxen Kirchen initiierte ich ein bilaterales Austauschprogramm mit drei libanesischen Hochschulen, der evangelischen Near East School of Theology, der orthodoxen Universität Balamand und der katholischen St. Josef Universität. Seit 2009 nehmen regelmäßig Studierende aus Wien daran teil. Auf meine Initiative können mittlerweile nicht nur evangelische und katholische Theologen, sondern auch Religionswissenschaftler und Kultur- und Sozialanthropologen an dem Studienprogramm teilnehmen.

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