Islam

Das Interesse für den Islam hat mein Theologie-Studium von Anfang an begleitet. Zunächst standen vor allem philologische Interessen, der Koran und die Geschichte des Islams im Vordergrund. Durch den Aufenthalt in Jerusalem 1981-1983 begann die längerfristige Auseinandersetzung mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt und dem Studium der Situation der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. Seit dem Ägyptenaufenthalt 1988-1989 verlagerte sich der Schwerpunkt meines Interesses nach Ägypten. Durch die Dissertation ergab sich eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte Ägyptens und dessen gesellschaftlichen Entwicklungen in Neuzeit und Gegenwart.

Eine neue Perspektive ergab sich durch den Wechsel nach Langen. Hier war seit Jahren mein Kollege Pfr. Dr. Tharwat Kades aktiv in der Förderung der christlich-muslimischen Beziehungen tätig. Bei den von ihm initiierten Begegnungen und Dialogen in Deutschland und in Kairo kooperierte ich mit ihm auf vielfältige Weise und erarbeitete auch gemeinsam mit ihm das Programm für das Studienprojekt an der al-Azhar. Seit 90er Jahren ergaben sich neue Kontakte in den Libanon und Syrien.

Das Forschungsprojekt "Die Darstellung des Christentums in den Schulbüchern islamisch geprägter Länder", bei dem ich seit 2001 für die Analyse der ägyptischen und palästinensischen Schulbücher zuständig war , knüpfte an meine bisherigen Studien unmittelbar an. In den Lehrveranstaltungen, die ich an den Universitäten Rostock, Frankfurt und Marburg abhalte, beschäftigte ich mich insbesondere mit der Frage der christlichen und jüdischen Minderheiten im Islam sowie mit den Menschenrechten und der Toleranz im Islam. 2010-2011 entstand der dritte Teil der Schulbuchstudie, der dieses Mal die Länder Schulbücher des Libanon und Jordaniens behandelte. Darüber hinaus arbeitete ich 2007-2010 in einer gemeinsamen Kommission der Arabischen Liga und der UNESCO mit. Gemeinsam mit drei arabischen und zwei europäischen Experten erarbeiteten wir Empfehlungen für die Darstellung anderer Kulturen und Religionen im Geschichtsunterricht. Die Studien wurden in englisch und arabisch 2012 von der ISESCO veröffentlicht.

In meinen Lehrveranstaltungen beschäftige ich mich insbesondere mit der Geschichte der islamischen Kultur, mit aktuellen Krisenkonflikten und Problemen, bei denen der Bezug auf den Islam eine Rolle spielt sowie mit innergesellschaftlichen Konflikten und Veränderungen in kirchlichen und staatlichen Institutionen in Europa, die durch die muslimische Einwanderung hervorgerufen worden sind.

In diesem Zusammenhang gebe ich seit 2012 eine neue Reihe zur „Anwendungsorientierten Religionswissenschaft“ gemeinsam mit Ulrike Bechmann heraus, in der mehrere Studien publiziert wurden, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinandersetzen.


Bd. 1: Thomas Schönberger: Der Islam im öffentlichen Bewusstsein. Ein empirisches Lagebild aus einer Kleinstadt in Österreich, Tectum-Verlag : Marburg 2012.

Bd. 2: Ursula Unterberger: Religion – die letzte Freiheit. Religionsausübung im Strafvollzug, Tectum-Verlag : Marburg 2013.

Bd. 3: Cornelis Hulsman (Ed.): The Sharia as the main source of Legislation? The Egyptian Debate on Article II of the Egyptian Constitution, Tectum-Verlag : Marburg 2012.

Bd. 4: Josef Peter Schuller: Die verborgene Moschee. Zur Sichtbarkeit muslimischer Gebetsräume in Wien, Tectum-Verlag : Marburg 2013.

Bd. 5: Sanna Plieschnegger: Kritik aus den eigenen Reihen. Hamed Abdel Samad und Necla Kelek im Vergleich, Tectum-Verlag : Marburg 2013.

Insbesondere Band 3 wurde aufgrund der aktuellen Diskussion über die ägyptische Verfassung international sehr gut rezipiert und diskutiert. Die Studie räumte mit dem gängigen Vorurteil auf, dass die Mehrheit der Kopten eine säkulare Verfassung mit einer uneingeschränkten allgemeinen Religionsfreiheit wünschen. Vielmehr ist es so, dass die Mehrheit der Kopten durchaus mit dem Islam als Staatsreligion und der Anwendung der Scharia leben können, solange sie nicht auf sie selbst angewandt wird, sondern die Rechte für die etablierten Religionsgemeinschaften garantiert wird. Mit der Al-Azhar und anderen konservativen islamischen Kräften ist man sich darüber einig, dass man keine allgemeine Religionsfreiheit möchte, die neoreligiösen Religionsgemeinschaften christlichen oder muslimischer Provenienz (Jehovas Zeugen, Adventisten, Bahai, Ahmadiyya u.a.) Religionsrechte einräumen würde.

2011 analysierte ich die islamischen Religionsbücher, die in Österreich gegenwärtig im Gebrauch sind. 2012 führte ich den Vorsitz der Arbeitsgruppe „Imame Aus- Fort- und Weiterbildung“ innerhalb des Dialogforums Islam, das von Staatssekretär Sebastian Kurz im Innenministerium initiiert wurde. Sie resultierte darin, die Einrichtung eines Studiengangs islamische Theologie an der Universität zu empfehlen.

derstandard.at/1353207141839/Studium-fuer-Imame-Problem-ob-die-Ausbildung-akzeptiert-wird